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warmup.

“drei mal 5 minuten”

interviews Posted on Thu, January 31, 2013 15:49:44


Für sein sehr hübsches Buch “Drei mal 5 Minuten” machte Stefan Kirste einige
Interviews mit MMA-Sportlern . Darunter Ismael Cetinkaya, Ulf Fitzmann Ulrike Krol und vielen anderen Sportlern , Promotern und Trainern. Unter anderem mit mir.

Da ich ein unglaubliches Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom habe und finde,
dass auch meine eigenen , total absurden Gedanken zu diesem Sport
unbedingt ins Netz sollten, klebe ich dieses mal hier ins Blog. (ausserdem sind meine anderen Beiträge immernoch nicht fertig X-O)

Der Autor hat irgendwie meine dreistündige Sabbelorgie
mit den diversen “wenn-abb-dann-könnte-war-würde-auch-eventuell-zusätzlich-scherz-doppeldeut-abmilder-übertreib-Sprüchen”
in diese Stenographierten Antworten umgewandelt,
ohne den Inhalt zu verfälschen. Ein Künstler! 😉

ok, los gehts.

—————————————————————————————

Marva Harald Kuebler (46)

Als Künstler ist Marva mit
seinen Arbeiten in verschieden Bereichen tätig. In den 90er Jahren beschäftigte er sich
intensiv mit virtueller Realität. Als Synästhetik-Künstler (Kunstverein Synlabor) hatte er
unzählige Auftritte in Live Performances. Mittlerweile hat sich seine Kunst weg von der
Performance-Kunst, hin zum physisch
erfahrbaren Bereich (Transformierung von
Alltagsgegenständen) entwickelt. Nebenbei arbeitet
Marva auch als Trainer. Seinen ersten MMA-Kampf
hatte er im Alter von 43 Jahren. Insgesamt bestritt er

bisher 8 MMA-Kämpfe.

Kannst du mir erzählen, wie du
zum MMA gekommen bist?

Als Kind war ich immer der Kleinste,
hatte aber ein anscheinend ein großes Maul. Ich habe mich
häufig geprügelt. Das war normal in der Gegend, aus der ich
herkomme – einer Arbeitersiedlung. Irgendwann hat mich
meine Mutter zum Judo geschickt. Dort wollten immer alle mit mir Würfe üben
weil ich so schön leicht war und
ich wurde jede Trainingsstunde permanent
auf den Boden gedonnert. Später habe ich Wushu gemacht.

In meiner Jugend habe ich eine Zeitlang
in besetzten Häusern gewohnt. Die wurden regelmäßig von Nazis
angegriffen. Eine Künstlergruppe hatte damals, Anfang der 90er Jahre, das Tacheles besetzt.Ich
bin zur Unterstützung meiner Künstlerfreunde von Tacheles,
Rammtheater und Stuttgarter Hof und in ein besetztes Haus nebenan
eingezogen

Es war also immer aktuell, dass ich
mich verteidigen musste. Witzigerweise habe ich später
durch einen Nazi das erste Mal von MMA gehört. Ich fand
das anfänglich total bescheuert. Doch
Irgendwann wollte ich das auch mal
ausprobieren.

Das ich überhaupt kämpfe, ist
also eher ein Zufall. Beim Kampfsport und im Kampf fällt der Alltag komplett von mir ab. Das
genieße ich. Da übernimmt die Schönheit der Situation, die absolute Existenz in
diesem Moment. In meinen Augen ist Kämpfen eine sehr direkte Art der Kommunikation. Wir
nehmen auch Rücksicht auf einander. Ich könnte nie mit jemandem
Vollkontakt kämpfen oder trainieren, der nicht gewohnt ist, Rücksicht auf den anderen zu
nehmen. Viele Menschen verstecken sich hinter Machtpositionen. Das kannst du in dem
Moment nicht. Du bist direkt dafür verantwortlich, was du tust.

War diese direkte Kommunikation der
Grund für dich, mit MMA zu beginnen?

Das ist allgemein bei Kampfsport so.
Ich habe bewusst Vollkontakt gesagt. Je mehr Kontakt du beim Kampfsport hast, umso
weniger virtuell wird das. Wenn dich jemanden physisch zur Aufgabe bringt, ist das
ein direkteres Gefühl. Alles was Vollkontakt ist, beschert dir dieses direkte Bio-Feed-Back.
Je mehr du davon im Training hast, umso eher erkennst du deine Grenze, oder du gehst
über diese Grenze. Aber die Grenze ist in mir.

Es ist nicht der Gegner. Er hilft mir
nur, meine eigene Grenze zu finden. Dadurch ist es für mich sehr pädagogisch. Was sich heute teilweise die
Jugendlichen für Ansagen verpassen, währe in meiner Jugend
nie möglich und sehr ungesund gewesen. Bei MMA ist es so ähnlich. Das klingt ein
bisschen nach Sandkasten. Aber ich finde, dass bestimmte pädagogische Elemente aus dem
Sandkasten bei uns kulturell etwas vermurkst wurden.

Natürlich kann man nicht überall
mit Menschen auf Sandkastenniveau kommunizieren. Es ist traurig, wenn man auf
Sandkastenniveau stehen bleibt. Aber manchmal ist es auch für erwachsene Menschen total
wertvoll, zurück in den Sandkasten zu gehen. Das finde ich auch künstlerisch sehr
interessant.

Wie wirkt sich der Sport auf deine
Kunst aus?

Intellektualisierte Kunst wurde mir
irgendwann zu elitär. Elite definiert sich letztendlich über Geld und über
Zuwendungen. Wenn du an Geld und Zuwendungen gelangst, kommst du an Verbreitung. Diese
Bedeutungsökonomie fand ich nicht gut und sie entsprach auch nicht meinem Inneren.
Daher habe ich die Sehnsucht gehabt, etwas zu machen, was für alle Menschen
gleich zugänglich ist, aber nicht intellektuell zugänglich, sondern physisch erfahrbar.

Du sprachst gerade von Grenzen.
Welche Grenzen wurden dir durch MMA

aufgezeigt?

Die inneren Grenzen. Der innere
Schweinehund zum Beispiel, aber auch die Schmerzen und die Angst. Ich habe schon Angst,
beim Konditionstraining die Treppe hoch zu rennen. Du rennst, bis dir fast schwarz vor
Augen wird, damit sich dein Körper an die Belastung gewöhnt.

Bei Wettkämpfen habe ich
witzigerweise nicht vor vielen Leuten in meiner Gewichtsklasse Angst. Wenn ich merke, dass jemand im
Kampf besser ist als ich, habe ich Hochachtung davor. Das finde ich super.

Wie fühlst du während
deiner Kämpfe?

Ich habe mal eine Hausarbeit darüber
geschrieben, wie Menschen sich vor dem Kampf fühlen. Das ist sehr individuell.
Bei mir ist es meistens Aufregung und Vorfreude. Die Angst ist nicht so groß. Ich baue
keine emotionalen Feindschaften auf. Das machen kaum Leute, die ich interviewt habe. Ich bin
fast freundlich und freue mich darauf, mir mit einem super Typen auf die Fresse zu
hauen. Ich schraube im Kampf die Aggression erst mit dem Gegner hoch. Wenn er aggressiv
ist, neige ich dazu meine Hörner zu zeigen.

Wenn mein Blut anfängt zu laufen,
merke ich, dass ich jetzt ernsthafter an die Sache rangehen muss. Vorher ist es eher
spielerisch. Dieses Spiel macht Spaß.
Submission ist ein guter Ausdruck dafür. Er
versucht mich mit seinen Hörnern zu
unterwerfen. Und ich versuche, ihn in diesem Spiel zu
unterwerfen. Dadurch wird das Spiel interessant und bekommt diese Intensität.

Deine Hörner würden also
nicht von alleine zum Vorschein kommen?

Vorher gehe ich auf Nummer sicher und
bin sehr vorsichtig. Wenn ich merke, dass mein Gegner etwas macht, was mir zu
gefährlich wird, um es zu verteidigen, dann gebe ich lieber auf. Er muss provozieren, dass
die Hörner hervorkommen. Ich muss mich oft vor

dem Kampf motivieren, damit ich nicht
zu larifari in den Kampf gehe. Sich einzubilden, man wäre so toll, ist auch eine
Grenze. Du kannst von jedem Anfänger mit einem Lucky Punch erledigt werden. An dieser Grenze
fängt das Ego an. Das Ego ist immer eine verführerische Größe.
Deshalb ist das Kämpfen für mich sehr bildend. Ich werde
wieder zurück auf den Boden geholt. Die
Vorstellung von einem Selbst wird oft von außen definiert. Wenn man erfolgreich ist,
klopfen dir alle auf die Schulter und du denkst, du bist total gut. Das so nahe an sich
rankommen zu lassen, ist aber eine extreme Dummheit. Das kann man bei Leuten
beobachten, die zum ersten Mal Erfolg haben. Sie machen dann häufig Dummheiten, die
man besser nicht macht – gerade mit anderen Menschen. Das zu sehen ist traurig.

So ein Kampf kann einem helfen, in
diesem Punkt an sich zu arbeiten. Eine Niederlage im Kampf ist eine direkte, plakative
Niederlage. Das zeigt einem wieder, dass man nicht Superman ist. Das ist gut zu spüren.

Was empfindest du, wenn dich jemand
im Kampf dominiert?

Wenn jemand mich total dominiert:
Respekt.

Da funkt nicht das Ego dazwischen?

Nein, das ist Begeisterung für den
Sport. Ich benutze mein Ego, um mich anzustrengen und das Beste zu leisten. Wenn mein
Gegner aber besser ist als ich, ist das super. Dann habe ich Respekt. Es ist Respekt
einflößend, körperlich zu merken, dass der andere
dich mit bloßen Händen töten
könnte. Wenn Leute sich dann aber wie Arschlöcher
verhalten, will man natürlich auch so gut
werden, um es ihm zu zeigen. Das habe ich aber noch nicht erlebt. Da würde mein Ego
dann sagen: »Ich lasse mich nicht von einem Arschloch submitten.« Mein Verstand weiß
natürlich, es gibt trotzdem Arschlöcher, die besser sind als ich.

Wie ist es zu merken, dass du
jemanden dominieren kannst?

Dann zeige ich das demjenigen gut dosiert. Es kommt allerdings natürlich sehr darauf an, wen ich dominiere. Wenn ich mir etwas
darauf einbilde, dass ich Schwächere dominieren kann, bin ich
ein Idiot. Dominiere ich aber Leute, bei denen ich es vorher nicht
geschafft habe, merke ich, dass ich einen
technischen Fortschritt gemacht habe. Das ist
befriedigend.

Ich mache aber nicht mehr, als ich
mache muss. Merke ich jedoch, mein Gegner macht unfaire oder verboten Techniken, nur um
mir Schmerzen zuzufügen, dann mache ich auch mal einen Schlag mehr, als
unbedingt notwendig wäre. Das ist mir aber noch nicht passiert. Ich sehe das ab und zu. Das
ist aber niveaulos und ehrlos.

Wenn jemand eine Technik macht, die
mich in Bedrängnis bringt, kämpfe ich engagierter, damit er Respekt vor mir bekommt. Da
ist auch eine Egokomponente enthalten. Ich versuche ja
immer meine Emotionen zu befragen. Ich kann also erkennen, dass in
der Motivation meinen Gegner dann
zu schlagen, auch eine Rachekomponente enthalten ist. Aus meiner Sicht ist das aber noch in
normale Grenzen eingebettet.

Bleiben solche Emotionen im Oktagon,
oder nimmst du die aus dem Kampf mit

heraus?

Wenn sich jemand wirklich schlecht
verhalten würde, würde ich ihn auch außerhalb des Kampfes für einen Idioten halten.

Wie beeinflusst dich diese
Körpererfahrung in anderen Lebensbereichen?

Es beeinflusst mein Körpergefühl.
Sich mit einem anderen Körper balanciert zu bewegen ist fast ein erotischer Einfluss. Man
hat viel mehr Gefühl, was man mit dem anderen macht. Kann ich jedem nur empfehlen.

Ich habe mich in den vergangen Jahren
zunehmend für körperlich erfahrbare Kultur interessiert. Daher ist der Kampfsport
eher noch eine Fortführung dessen.

Möglicherweise mache ich demnächst
mal ein Kunstprojekt, welches Training, Grenzerfahrungen, Spiel und Kultur
verbindet. Körperlichkeit hat auch eine psychische, eine erotische Komponente. Gerade mit
Dominanz und Unterwerfung wir ja in der Erotik häufig gespielt, auch wenn es von
den Leuten vielleicht nicht so begriffen
wird. Wie gesagt, Kämpfen ist eine Art der
Kommunikation und auch eine Form der Erotik. Einige würde schreiend aus dem Zimmer
rennen, weil sie sich davon distanzieren. Ich sehe das aber so und finde das auch nicht
schlimm. Die Bereiche des Lebens sind ja miteinander verzahnt.

Ich habe mit meinem Vater immer
gerauft. Das war eine Form von Zärtlichkeit.

Genauso ist es, wenn ich einem
Anfänger, der nicht weiß, was er machen soll, zeige, wie er mich besiegt. Ich ermächtige
ihn, indem ich ihm zeige, wie er stärker und besser wird.

Wie reagieren Leute, wenn sie
erfahren, dass du MMA betreibst?

Die meisten sehen
Kampfsport erst einmal als Gewalt. Ich habe ganz unterschiedlich
Erfahrungen damit gemacht, wie sich Leute Gewalt stellen. Die
Meinungen sind zweigeteilt.

Der Großteil hat sich zuerst
davon distanziert, obwohl sich das in letzter Zeit in bisschen geändert hat. Die Mutter meines
großen Sohnes meinte, ich bin verrückt. Aber die Leute aus meinem Umfeld wissen ja
ohnehin, dass ich verrückt bin.(
lacht) Viele Dinge, die ich richtig und interessant finde, machen andere
noch nicht. Ich suche mir dann immer jemanden, den das auch interessiert. Oder
ich fange alleine damit an. Im Nachhinein können es
andere Leute nachvollziehen und finden das dann doch nicht mehr so
bescheuert. Ich muss ihnen jetzt nur noch ausreden, dass MMA eine
wilde Klopperei ist.

Vielen Leuten, die ihre körperliche
Seite nicht ausleben können, fehlt ein Ventil.
Wir sind nicht nur intellektuelle Wesen. Wir sind auch physische Wesen. Man muss sich auch
physisch abreagieren können und dürfen.

Also ist MMA für dich keine
Gewalt?

Gewalt ist Kommunikation. Aus 5
Kilometern Höhe Streubomben zu werfen ist auch Kommunikation. Es heißt: »Ich
bin stärker. Ich scheiße auf deine Meinung, deine Argument, deine Religion, dein Leben.
Ich will gewinnen.« Das ist Gewalt, aber auch Kommunikation. Die Art, wie Gewalt
ausgeübt wird, ist Kommunikation. Pfefferspray auf Leute zu sprühen ist auch
Kommunikation, nämlich: »Du hast nichts zu sagen.«
Wenn Schäuble sagt, dass Blogger im
Internet nicht mehr über alles schreiben dürfen, ist das auch Kommunikation.

Ist das auch Gewalt?

Ja, das ist auch Gewalt. Viele Leute
wollen nicht unterscheiden. Aber nicht reflektieren zu wollen ist ja auch Kommunikation. Die
Leute, die am schönsten über das
friedlich sein reden, profitieren häufig am meisten
von delegierter Gewalt. Der Druck wird ständig nach unten weitergegeben. Da nehme ich mich nicht
aus. Es ist eine Struktur der Herrschaft. Wenn solche Gesellschaften dann behaupten,
sie seien nicht gewalttätig, ist das für mich der reine Hohn. Das ist völlig
unreflektiert. Die verleugnen ihre eigene Aggressivität.

Ein Kampf ist demnach ehrlicher?

Ja, er ist aufrichtiger. Und er ist von
beiden verabredet. Es ist ein Test unserer körperlichen und technischen
Fähigkeiten. Es ist auch ein Freilassen von Emotionen. Ich öffne mich. Wenn man seine Wut
rauslassen kann, ist das ein Öffnen. Andere wiederum freuen sich und haben einen emotionalen
Ausbruch, wenn sie einen Kampf gewonnen haben. Sie weinen dann. Das ist kein
böser Kampf, das ist eine geschenkte Lebenssituation. Das ist eine nach
Regeln strukturierte Situation. Aber für manche
Leute ist das langweilig. Die stellen das anders dar
und wollen die härtesten sein. Die wollen dieses Brutalo-Image.

Hast du durch den Sport schon mal
deine Grenzen überschritten?

Ganz banal, wenn ich keine Lust auf das
Training habe, weil mir alles weh tut. Immer, wenn ich nicht mehr kann, trotzdem
weiter zu machen. Da bin ich immer am Grenzen überschreiten. Eine spirituelle
Grenze hatte ich noch nicht.

Du bist beim Kämpfen noch nie
an eine psychische Grenze gestoßen?

Ich habe völlig ohne Geld in besetzten Häuern gewohnt. Als meine Tochter geboren wurde habe ich in einem Bauwagen gewohnt und trotzdem versucht, meine Kunst weiter zu machen. Da war das meiste wesentlich mühsamer. Und ich habe immer Sachen gemacht, die erst Jahre später akzeptiert wurden. Da waren viele psychische Grenzen dabei. Dagegen ist das Kämpfen echte Entspannung

Welche Rolle spielt Kontrolle für
dich?

Mein Gegner möchte mich
kontrollieren und ich ihn. Im Bezug auf Selbstkontrolle müsste mich jemand emotional aus dem
Gleichgewicht bringen. Das ist mir beim Kämpfen noch nicht passiert. Ich übertrage
häufig die mentalen und physischen Abläufe
beim Kämpfen auf das wirkliche Leben. Das Kämpfen selbst
ist für mich Entspannung. Das Leben ist manchmal ein bisschen
frustrierend. Wenn mich jemand im Kampf mit einer Technik erwischt,
die ich noch nicht kannte, dann freue ich mich. Ich versuche dann zu
analysieren, wie er das geschafft hat, mich zu täuschen.

Welche Motivation stand dahinter. Wenn
mich jemand tritt, hat er die Intention mich zu treffen. Wenn ich aber sein Bein fange,
habe ich die Intention gehabt, mir etwas zu greifen, was er mir bietet. Überlistet
er mich und macht etwas anderes, hat er mich getäuscht. Das
ist interessant: wie hat er das gemacht?..

So übertrage ich das Kämpfen
auf das restliche Leben.

Hast manchmal Angst bei Kämpfen
zu versagen?

Ich kämpfe in erster Linie für
meinen Verein. Dort lerne ich viel und ich werde gut behandelt. Mein Trainer Frank
Burczynski ist mit totaler Hingabe dabei. Wenn er mich zu
einem Turnier schickt, muss ich zu mindeste beweisen, dass ich sein
Schüler bin. Ich kämpfe für mich, aber ich repräsentiere natürlich
auch meinen Verein. Angst zu versagen habe ich nicht. Kämpfen ist für mich Spaß.
Wobei soll ich da versagen – mich zu amüsieren? Das passiert höchstens, wenn ich Dinge
zu ernst nehme. Bei der meiner Kunst ist das manchmal der Fall.

Kommt da der eigene Anspruch mit ins
Spiel?

Ja, ich muss dann unbedingt Details in
meine Performances einbauen, die außer mir niemanden interessieren. Aber
wahrscheinlich ist das genau das, was ich beim Sport gut ausleben kann. Energien fließen
durch mich durch, die ich nirgendwo hingeben kann.

Aber wenn ein da Gegner ist, darf ich
meine Energie ausleben. Das ist ja auch der Grund, warum Kinder Unsinn treiben. Die haben
überflüssige Energie und müssen sie loswerden.

Die wollen ihre Grenzen finden. Wenn
man ihnen dann im Sport zeigt, dass es erlaubt ist, Energie zu haben, erkennen sie, dass
sie kein misslungenes Geschöpf sind, weil sie zuviel Energie haben. In unserer Kultur wird
das ja leider häufig so gesehen. Im Sport bekommen sie aber
Anerkennung für diese Energie. Plötzlich hat sie einen
Sinn. Dabei geht es gar nicht um die Anerkennung.

Es geht um die Energie.

www.marva.de



fighter feature

interviews Posted on Fri, January 04, 2013 10:20:12

Carmen Jahnke. Erste deutsche BJJ Schwarzgurtträgerin

unter
Thiago
Stefanutti, Maromba Academy

Hallo Carmen , meinen Glückwunsch
zum Schwarzgurt! Du weisst, dass du damit als erste deutsche Frau
diese hohe Graduierung im BJJ erreicht hast. Wie fühlt sich das
an?

Es fühlt sich gut an Obwohl: ich
wusste zunächst garnicht, dass ich die Erste war. . Aber mittlerweile habe ich auch noch
erfahren, dass ich auch noch die erste Frau in Australien bin, die
dort ihren Blackbelt erhalten hat. Die anderen zwei Frauen mit der
selben Graduierung dort , haben diese in Brasilien und USA bekommen.

Also, es fühlt sich ein wenig
surreal an. Andererseits ist es nach 12 Jahren aber auch ein major
archievement, wie die Australier sagen würden. Man hat aber
trotzdem das Gefühl , dass man nicht genug weiss. Mein Lehrer
sagte auch zu mir, dass jetzt eine neue Reise anfängt. So fühlt
sich das auch an. Und natürlich ist es auch ein schönes
Gefühl und man ist stolz.

Fallen dir ein paar spontane Worte
zum Weg dorthin ein?

Mir hat mal jemand gesagt BJJ bedeutet
“ respect, courage, perseverence” Und auf meinem Weg zum
Blackbelt habe ich genau diese Elemente kennengelernt. Der Respekt
vor der Kunst, der Mut und den Durchhaltewillen, den sie einem immer
wieder abverlangt. BJJ ist für mich ein sehr ehrlicher Sport.
Da gibt es keinen “ fault sense of security”, diese falsche
Sicherheit, die ich bei meinem Training in Karate und Kungfu
gelegentlich gesehen habe. KungFu habe ich ja 5 Jahre sehr intensiv
trainiert aber

auf der Matte beim Rollen merkt man
seine guten und seine schlechten Tage viel direkter. Egal wie
erfahren man ist, kann man von einem Anfänger getappt werden .
Und man muss immer wieder sein eigenes Ego besiegen , immer wieder
aufstehn und lernen, seine Niederlagen als positive Lernkurve zu
sehen. Das wird nie langweilig.

Im Zusammenhang mit Frauen im MMA.
Du hast ja auch einiges an “groundbreaking work” hinter dir. Was
fällt dir zur neuen Womens Division in der UFC ein?

Ich verfolge die UFC nicht so sehr.
Frauen sind ja eine Minderheit im Kampfsport. Aber gerade deshalb
müssen sie ebenso gesponsort und gefördert werden können
wie die Männer. Frauen kämpfen auch einfach anders als
Männer. Nicht besser oder schlechter sondern anders. Ich selber
schaue mir auch lieber die Frauenkämpfe in den BJJ Worlds an
als die der Männer. Frauen verdienen auf jeden Fall die gleiche
Unterstützung wie Männer. Das fehlt leider zu oft.

Wie bist du eigentlich zum
Kampfsport gekommen?

Also bei mir hatte es eigentlich noch
nie mit Selbstverteidigung zu tun. Ich liebe eher die körperliche
und mentale Herausforderung.Als Kind war ich im Judo. Und ich fand
Raufen immer toll. Als Teenie hat das dann natürlich zunächst
aufgehört. Erst 1998 haben mich Freunde mit zum KungFu
geschleppt, was ich dann 5 Jahre intensiv machte. Und ein paar
Kollegen von dort nahmen mich mit zum BJJ. Es hat mir gefallen, dass
dort alles wesentlich weniger choreographiert war. Nicht so ein Tanz
mit einstudierten Bewegungen, die man dauernd wiederholt.So kam das.



Was sind deine sonstigen Interessen?
Und was machst du beruflich?

Ich habe mich ja schon lange mit
Anatomie und Massagetechniken beschäftigt und da auch eine
Schule gemacht und als Massagetherapeutin gearbeitet. Dann habe ich
noch ein paar Semester Sportwissenschaften studiert. Momentan
interessiere ich mich für den Beruf der radiologischen
Assistentin und ganz allgemein den medizinischen Bereich.Ich bin auch
als Trainerin und Coach aktiv. Ausserdem liebe ich Sprachen. Russisch
hatte ich ja noch in der Schule und dazu spreche ich mittlerweile ein
wenig portugiesisch, spanisch und natürlich englisch. Und ich
liebe das Reisen.


Du wohnst ja seit ein paar Jahren in
Australien. Ist das richtig? Wie kam das?

Ja. Ich wohne in Melbourne. Na, ich war
unterwegs auf Reisen und kam über Indien nach Australien, wo ich
wegen der Liebe hängengeblieben bin und dann erst mal 11 Jahre
blieb.

Hast du irgendwelche Ratschläge,
für Leute die auch gerne so weit wie du kommen wollen?

Hmm . Also: nie aufgeben, dabei
bleiben. Wenns mal nicht so gut läuft, versuche in der
Niederlage die Verbesserung zu erkennen. Du darfst auch nie
vergessen, wie es war als du noch ein ahnungsloser Anfänger
warst. Keine Höhenflüge haben. Du kannst immer auch von
einem Weissgurt getappt werden. Beherzige das Motto: “have fun
while you roll”



Herr Bustamante, ich hätt da mal ne Frage…

interviews Posted on Wed, October 10, 2012 12:27:32

Murillo Bustamante spontan
in Berlin? Da muss man natürlich hin.


Offizielle
Ansage: no videos!
Also schnell die digicam der Freundin entwendet
und nach dem Konditraining geschaut, ob man die überhaupt bedienen
kann.

Fazit: ääh – NEIN. Das manuelle fokussieren ist so
langsam, dass jeder schon wieder nach Hause gegangen ist, bis die
gewünschte Stelle scharf ist und die mystische Bedeutung der Buttons
und Menü-Einstellung ist auch etwas unspontan. Nein. Ich lese
prinzipiell keine Bedienungsanleitungen. Niemals!

Einen
Zettel gezückt und überlegt, welche Frage man ihm stellen kann, bei
dem die Antwort sich nicht auch durch einmaliges googeln hätte
ergeben können.” Was ist deine Lieblingsfarbe?… Hattest Du
schon einmal Fusspilz vom Training?…”hmm. Vielleicht doch
nicht ganz das Richtige…

Ok. Plötzlich steht der
Mensch also neben dir und du denkst: ” hmm… Das Gesicht kommt
mir doch irgendwie bekannt vor.. Ach – Er ist schon da. Ganz
unspektakulär hereindiffundiert. Seltsamerweise hat er keine Kohorte
mit Trommlern und Trompeten mitgebracht. Erstaunlich.

Man
sieht gleich: Mr Bustamante ist ein sehr freundlicher Mensch.
Ziemlich höflich und aufmerksam. Obwohl er ja immer so einen
melancholischen Eindruck macht und hier in der kalten Fremde auf Tour
ist, scheint er sich über allgemeine Ansprachen etwas aufzulockern
und fast kumpelhaft locker zu werden.

Gut. Also zu Beginn des No
Gi Trainings, fragt er erst mal, was er uns denn zeigen soll.

Sweeps stärkerer Gegner,
Kontrolle und Angriffe in der Nort-South-Position werden gewünscht.

Ich fummle dabei wie ein
Depp an der Kamera herum und wundere mich , warum die Einstellung, die
eben noch ging, jetzt ein schwarzes Bild macht. Frau Reinsch nimmt mir
freundlicherweise den Deckel vom Objektiv. Äh. Ja. Danke.

Dann beginnen schon die
Übungen. Etwas konfus vom abwechselnd zuhören, anschauen, ausführen
der Parnerübungen und dem Versuch, ein paar Schnappschüsse zu
machen, hangele ich mich durch die nächsten Minuten.

Mr Bustamante geht herum und
verbessert unsere Ausführungen. Alle paar Minuten zeigt er uns ein
paar Details, die wir falsch machen.

Seine Methode ist: vom
groben Bewegungsablauf bis zu feineren Details vorwärts. Alles ist
klar und einfach strukturiert. No Bullshit und funktioniert
erstaunlich gut.

Wieder einiges gelernt. Endlich weiss ich, wie mich
letztens unser Gast Ralek aus Polen dauernd aus dem Gleichgewicht
gebracht hat.

Eine Runde Sparring , Herr Goll übernimmt die Kamera und
schon ist das ziemlich kurzweilige Seminar zu Ende. Gruppenfoto. Und jetzt fängt das
“Ich- mach-das-Foto-mit-dem-UFC-Star-Spiel”an.

Mir ist sowas immer total peinlich aber ich weiss ja : nachher freut man sich über das Bild. Bustamante lässt es alles sehr gelassen über sich ergehen.

Ich kreise wie ein schüchterner Satellit um die Grüppchen herum.
Dann kann ich ihm endlich
meine Fragen stellen

“Hello Mr. Bustamente,
its a great honour to meet you …” Grosse Ehre und Vergnügen,
Ihn zu treffen. Ja, Ja, danke, danke… Diese Höflichkeiten mus er
sich bei einer Seminarreise ja bestimmt 200mal am Tag anhören . Also
um es kurz zu machen. Das kurze Frage und Antwort-Spiel.

Mrv: “Du hast eine sehr
lange und sehr erfolgreiche Karriere im Kampfsport gehabt. Gibt es
etwas, das du an dieser lange Erfahrungen als das wichtigste
empfindest?”

Bustamante: “Was meinst
du? Persönliches?”

Mrv: “Nicht unbedingt.
Mich interessiert, ob du im nachhinein eine bestimmte Sache dieser
Reise als besonders wichtig empfindest. Ein Gefühl oder eine
Erkenntnis oder ein Ereignis.”

Bustamante: “Es gibt
sehr viele verschiedene Punkte , die besondere Erfahrungen waren.

Zum Beispiel der
Meistergürtel in der UFC oder der Titel als Brasilianischer
Champion…Das waren alles besondere
Augenblicke”

Mrv: “Die sportlichen
Erfolge waren also das Highlight?”

Bustamante: ” Es gab
sehr vieles ” ( stirnrunzeln)

Mrv: ” Gab es etwas ,
das du als den wichtigsten Augenblick in all dieser Zeit bezeichnen
würdest?”

Bustamante:”Ja, die
Geburt meines Sohnes”

Mrv:Und was war die
schönste Erfahrung?”

Bustamante:”Auch die
Geburt meines Sohnes”

Mrv:”Und was war die
schlechteste Erfahrung in all dieser Zeit?”

Bustamante: ” Als
einige Referees mich ungerecht beurteilt haben und im Nachhinein
meine Kämpfe schlechtgemacht wurden. Das war die schlechteste
Erfahrung”

Mrv: “Gibt es etwas was
du einem Anfänger raten würdest. Einen ganz allgemeinen
Trainingstip oder so etwas?”

Bustamante ” Lass dein
Ego zuhause. Geh auf die Matte und habe Spass!”

Ein schönes Motto und gutes Schlusswort. Finde ich

Nachtrag:

Ein bischen doof kam ich mir
schon vor bei diesem kurzen Interview.

Ich glaube, meine Fragen
waren ihm irgendwie zu abstrakt oder er hatte keine Lust, sie

zu persönlich zu
beantworten. Na ja. War das erste mal. Next
time better.

Seminar war trotzdem super.
Schon krass, was Frank Burczynski immer so organisiert!



ganz klar wahr

interviews Posted on Fri, October 05, 2012 12:30:18

nein, das ist kein interview.

Einige Kampfsportler haben mir berichtet, das sie dieser Film als Teenies total beeindruckt hat.

Als Erwachsener (und besonders als jemand, der schon verschiedene Kampfkünste ausgeübt hat) ist es eher belustigend, wie unrealistisch hier die Kämpfe und ganzen Stile inszeniert werden.

Aber toll , seit Bruce Lee wurden öfter “Vergleichskämpfe” in Actionfilme eingebaut und dies hatte auch Auswirkungen auf die Szene.

Insofern: RESPECT.

http://www.youtube.com/watch?v=0HGnsXAZj28&feature=youtu.be