Carmen Jahnke. Erste deutsche BJJ Schwarzgurtträgerin

unter
Thiago
Stefanutti, Maromba Academy

Hallo Carmen , meinen Glückwunsch
zum Schwarzgurt! Du weisst, dass du damit als erste deutsche Frau
diese hohe Graduierung im BJJ erreicht hast. Wie fühlt sich das
an?

Es fühlt sich gut an Obwohl: ich
wusste zunächst garnicht, dass ich die Erste war. . Aber mittlerweile habe ich auch noch
erfahren, dass ich auch noch die erste Frau in Australien bin, die
dort ihren Blackbelt erhalten hat. Die anderen zwei Frauen mit der
selben Graduierung dort , haben diese in Brasilien und USA bekommen.

Also, es fühlt sich ein wenig
surreal an. Andererseits ist es nach 12 Jahren aber auch ein major
archievement, wie die Australier sagen würden. Man hat aber
trotzdem das Gefühl , dass man nicht genug weiss. Mein Lehrer
sagte auch zu mir, dass jetzt eine neue Reise anfängt. So fühlt
sich das auch an. Und natürlich ist es auch ein schönes
Gefühl und man ist stolz.

Fallen dir ein paar spontane Worte
zum Weg dorthin ein?

Mir hat mal jemand gesagt BJJ bedeutet
“ respect, courage, perseverence” Und auf meinem Weg zum
Blackbelt habe ich genau diese Elemente kennengelernt. Der Respekt
vor der Kunst, der Mut und den Durchhaltewillen, den sie einem immer
wieder abverlangt. BJJ ist für mich ein sehr ehrlicher Sport.
Da gibt es keinen “ fault sense of security”, diese falsche
Sicherheit, die ich bei meinem Training in Karate und Kungfu
gelegentlich gesehen habe. KungFu habe ich ja 5 Jahre sehr intensiv
trainiert aber

auf der Matte beim Rollen merkt man
seine guten und seine schlechten Tage viel direkter. Egal wie
erfahren man ist, kann man von einem Anfänger getappt werden .
Und man muss immer wieder sein eigenes Ego besiegen , immer wieder
aufstehn und lernen, seine Niederlagen als positive Lernkurve zu
sehen. Das wird nie langweilig.

Im Zusammenhang mit Frauen im MMA.
Du hast ja auch einiges an “groundbreaking work” hinter dir. Was
fällt dir zur neuen Womens Division in der UFC ein?

Ich verfolge die UFC nicht so sehr.
Frauen sind ja eine Minderheit im Kampfsport. Aber gerade deshalb
müssen sie ebenso gesponsort und gefördert werden können
wie die Männer. Frauen kämpfen auch einfach anders als
Männer. Nicht besser oder schlechter sondern anders. Ich selber
schaue mir auch lieber die Frauenkämpfe in den BJJ Worlds an
als die der Männer. Frauen verdienen auf jeden Fall die gleiche
Unterstützung wie Männer. Das fehlt leider zu oft.

Wie bist du eigentlich zum
Kampfsport gekommen?

Also bei mir hatte es eigentlich noch
nie mit Selbstverteidigung zu tun. Ich liebe eher die körperliche
und mentale Herausforderung.Als Kind war ich im Judo. Und ich fand
Raufen immer toll. Als Teenie hat das dann natürlich zunächst
aufgehört. Erst 1998 haben mich Freunde mit zum KungFu
geschleppt, was ich dann 5 Jahre intensiv machte. Und ein paar
Kollegen von dort nahmen mich mit zum BJJ. Es hat mir gefallen, dass
dort alles wesentlich weniger choreographiert war. Nicht so ein Tanz
mit einstudierten Bewegungen, die man dauernd wiederholt.So kam das.



Was sind deine sonstigen Interessen?
Und was machst du beruflich?

Ich habe mich ja schon lange mit
Anatomie und Massagetechniken beschäftigt und da auch eine
Schule gemacht und als Massagetherapeutin gearbeitet. Dann habe ich
noch ein paar Semester Sportwissenschaften studiert. Momentan
interessiere ich mich für den Beruf der radiologischen
Assistentin und ganz allgemein den medizinischen Bereich.Ich bin auch
als Trainerin und Coach aktiv. Ausserdem liebe ich Sprachen. Russisch
hatte ich ja noch in der Schule und dazu spreche ich mittlerweile ein
wenig portugiesisch, spanisch und natürlich englisch. Und ich
liebe das Reisen.


Du wohnst ja seit ein paar Jahren in
Australien. Ist das richtig? Wie kam das?

Ja. Ich wohne in Melbourne. Na, ich war
unterwegs auf Reisen und kam über Indien nach Australien, wo ich
wegen der Liebe hängengeblieben bin und dann erst mal 11 Jahre
blieb.

Hast du irgendwelche Ratschläge,
für Leute die auch gerne so weit wie du kommen wollen?

Hmm . Also: nie aufgeben, dabei
bleiben. Wenns mal nicht so gut läuft, versuche in der
Niederlage die Verbesserung zu erkennen. Du darfst auch nie
vergessen, wie es war als du noch ein ahnungsloser Anfänger
warst. Keine Höhenflüge haben. Du kannst immer auch von
einem Weissgurt getappt werden. Beherzige das Motto: “have fun
while you roll”